Erinnerungen des Fleisches

6. Session vom 27.09.2026

Zwei Wochen nach der letzten Session werden die Aufträge der Gruppe aufgedeckt und die verdrängten Wahrheiten holen sie ein. Vincent wird von Oneiros beim Beschatten Ramirez' ertappt; Ramirez steht auf ihrer Gehaltsliste, Vince muss die Finger davon lassen. Ben wacht nachts in seiner Küche vor gebratenem Fleisch auf — sein Schlafwandeln ist bestätigt, er isst und ist vierzehn Tage frei vom Verlangen. Vince ertappt ihn im Untergeschoss des Cascade, verhört ihn vor Veils Kamera, deckt ihn und muss ihn suspendieren; Veil durchschaut die Deckung. Maltreux macht beiden das Angebot, bei Hunger zu ihm zu kommen. Happy recherchiert die seit Jahrzehnten verschwindenden Runaways und Heimkinder, besucht mit Juvenga das Grüne Mais Fest und blickt vom Hügel auf das Golfresort, unter dem das Land „seine Toten kennt". Vincent erinnert sich an den Mord an seinem Sohn Scott — seine eigene Hand mit dem Messer — und warnt Sarah, die mit Emily über Peter ins Ausland gebracht werden soll. Die Auswertung von Karte und Bändern zeigt Ben als gelenkten Schlafwandler unter dem Schatten einer riesigen Frau in altertümlicher Kleidung. Der Flashback nach Palmyra enthüllt das Ritual mit der tanzenden Gestalt im Blutkreis — und dass Happy dort versehentlich Sgt. Miller erschoss.

Zwei Wochen im SchattenNeue Seite

Zwei Wochen lang halten sich alle drei bedeckt. Vincent erledigt seine Pflichten im Casino und beschattet Ramirez, wann immer es geht — vorsichtig, mit der Geschicklichkeit eines Schattens. Ben schleift Ashley behutsam tiefer ins Casino hinein, wo das Personal sie zunehmend mag, und geht der Frage nach, woher das Fleisch des Cascade eigentlich stammt. Die Antwort ist ernüchternd: ein ganz normaler Großlieferant. Eine falsche Spur.

Happy sucht derweil die Bibliothek nach alten Zeitungen ab — verschwundene Kinder, Runaways, Heimkinder. Die Recherche scheitert an der Gleichgültigkeit der Akten und an der offenen Feindseligkeit der Bibliothekarin, die ihn nur „Rothaut!" nennt. Doch in den Zeitungsserien findet sich ein Muster: Seit fünf Jahrzehnten, vielleicht länger, verschwinden Ausreißer und Waisen regelmäßig. Niemand hat je darüber berichtet. Persönlich sucht er obdachlose Jugendliche in der Stadt auf; Eric erzählt ihm von Obdachlosen, die verschwunden sind.

Ertappt!

Dann der Rückschlag: In einem Restaurant, in dem Ramirez gerade isst, steht plötzlich Oneiros hinter Vincent. Ihre Frage ist freundlich und tödlich zugleich — was er denn hier tue, und warum er nicht im Cascade sei. Vince ist sprachlos, erwischt, ertappt. Oneiros begreift sofort, was er tut. Sie holt Ramirez an den Tisch und macht unmissverständlich klar: Ramirez steht auf ihrer Gehaltsliste, Vince soll die Finger von ihm lassen — auch er sei doch an einem „sicheren Arbeitsplatz" interessiert. Vince versucht zu retten, was zu retten ist, beteuert, er tue nur seinen Job. Oneiros geht vordergründig darauf ein. Was sie wirklich denkt, bleibt im Dunkel.

Schlafwandler

Ben schläft an einem Abend vor dem Fernseher ein, volle Montur, ein Bier in der Hand. Als er aufwacht, steht er in der Küche. Auf dem Herd brutzelt eine Pfanne mit gebratenem Fleisch. Er hat keine Erinnerung daran, sie aufgesetzt zu haben — und das Verlangen in ihm wächst. Der Versuch, sich zusammenzureißen, misslingt. Da überkommt ihn der Nachteil: Ein Obdachloser steht plötzlich vor ihm, schreit ihn an, springt über den brennenden Herd — seine Kleidung fängt Feuer — und greift Ben an, ohne ihn zu treffen. Der Geist verschwindet so plötzlich und spurlos, wie er aufgetaucht ist. Zurück bleiben der Geruch von Fleisch und das Verlangen nach „Fleisch von einer anderen Sorte". Ben isst. Und für vierzehn Tage ist das Verlangen still.

Mitten in der Nacht klingelt das Telefon von Vincent. Neben ihm eine leere Bourbon-Flasche; er schläft noch in den Arbeitsklamotten. Am anderen Ende: Bob Benjamin Quill, „BBQ", Sicherheitsmitarbeiter. Sicherheitsverstoß — jemand ist im Untergeschoss. Vince wäscht sich, kaut Pfefferminz, trinkt Kaffee; der Alkoholgeruch bleibt. Er informiert Marcus Veil und Oneiros und steigt hinab. Im Untergeschoss riecht er es: Menschenfleisch. Doch diesmal reißt er sich zusammen — das Verlangen wird sauber unterdrückt.

Es ist Ben. Im Verhörraum der Cascade-Sicherheit stellt Vincent ihn zur Rede. Ben kann sich an nichts erinnern; er habe geschlafwandelt. Bei sich trägt er eine weiße Zugangskarte. Marcus Veil kommt hinzu; die Karte solle Vince erst selbst untersuchen. Unter Veils Kamerabeobachtung verhört Vince Ben — und versucht nebenbei, Veil seine Loyalität zu Oneiros glaubhaft zu machen. Der Einflussversuch scheitert: Veil durchschaut, dass Vince seinen Freund deckt und nicht ehrlich ist. Ben dagegen gelingt es, Veil zu überzeugen, dass er von nichts weiß. Am Ende bleibt Vince nichts anderes: Er muss Ben suspendieren. Maltreux erscheint und spricht mit beiden — zu Ben: „Wenn der Hunger zu groß wird, kommen Sie zu mir!" Zu Vince: Er legt ein gutes Wort bei Veil und Oneiros ein. Und macht auch ihm das Angebot bezüglich des Hungers.

Grüner Mais

Happy fragt Eric nach den verschwundenen Kindern. Eric berichtet: Viele Kunden kommen, um etwas zu verpfänden — und tauchen danach nie wieder auf. Er zeigt Happy eine alte Army-Pistole eines Veteranen, Harold Edwine. Auch er verschwand danach.

Juvenga lädt Happy zum „Grünen Mais Fest" ein — Fest der inneren Reinigung und der sozialen Erneuerung. Ein Friedensangebot. Abends sprechen die Brüder auf einem Hügel: unter ihnen der im Dunkel liegende Golfplatz mit dem neuen Parkplatz, dort wo der Brunnen hätte hinkommen sollen, das Licht flackert zwischendurch; auf der anderen Seite des Hügels die bunten Lichter, Musik und Tanz des Festes. Juvenga will nicht wissen, was unter dem Beton liegt: „Das Land kennt seine Toten." Und er hofft, dass die „alten Verträge" nicht angetastet werden. Auf Happys Nachfrage verweist er nur auf die Dunklen Lieder der Ältesten und kehrt zum Fest zurück. Happy bleibt allein. Als das Licht auf dem Parkplatz wieder flackert, sieht er Schatten, die sich bewegen — und Erinnerungen an Palmyra steigen auf.

Die Uhr

Für Vincent wird die Nacht noch schlimmer. Sarah ruft an: Emily hat im Keller die Uhr von Scott gefunden, die Uhr seines toten Sohnes. Er fährt nach Hause und steigt in den Keller, in dem er seit Jahren nicht war. Und dann bricht die Mauer: Er erinnert sich. Wie er sich Scott näherte, ihm nicht in die Augen sah. „Dad, Dad? Was soll das?" Dann rammte er ihm das Messer in die Eingeweide. Scott schrie, weinte — und starb. Vince nahm die Uhr und legte sie in eine Schachtel. Der Flashback endet: Vince steht vor dem Regal, in dem die Schachtel liegt. Die Uhr fehlt. Der Keller ist sauber, aufgeräumt, Regale an den Wänden, Querstreben mit Haken an der Decke, und auf dem Boden ein großer, dunkler Fleck. Es kostet ihn zwei Punkte Stabilität.

Frisch gemacht fährt er zu Sarah. „Wieso hast du die Uhr?!", wirft sie ihm vor. „Wir hatten doch gesagt, dass sie mit Scott verschwunden ist!" Die Uhr war ein Geschenk von Vince an Scott, ein gutes Erkennungsmerkmal. Sie erzählt, dass Marcus Veil Emily zweimal pro Woche umsonst Klavierunterricht gibt, Emily gute Fortschritte macht — und dass Veil sie nach „Opas Geheimnis in seinem Keller" gefragt hat. Deshalb sei Emily hergefahren, habe den Schlüssel vom Türrahmen genommen und die Uhr gefunden. Die Welt dreht sich für Vince. Er warnt Sarah mit aller Deutlichkeit vor dem Cascade und Veil: „Die Leute sind gefährlich!" Sie solle fliehen, ins Ausland, zu ihrer Schwester Mary.

Konsolidierung

Dann sitzen alle drei bei Peter. Sie tauschen aus, was sie wissen, und beraten: Sie brauchen mehr Informationen. Oneiros, Veil und Maltreux sind gefährlich; unklar ist die Hierarchie zwischen ihnen — vermutlich ist Oneiros der Kopf. Vince bittet Peter, Sarah und Emily sicher ins Ausland zu bringen, nicht zu Mary, sondern woandershin. Später ruft er Sarah noch an: Sie dürfe Emily nichts sagen; er kümmere sich um die Flucht. Unterdessen ruft Ashley Ben auf seinem Burnerphone an — sie ist Mitarbeiterin des Monats geworden und will mit ihm feiern. Bevor das Gespräch mehr wird, reißt Happy Ben das Handy aus der Hand und zerstört es. Ben fährt trotzdem nach Hause, spricht mit Ashley, gesteht ihr sein Schlafwandeln und warnt vor den drei Gefährlichen im Casino. Sie glaubt ihm nur bedingt — aber sie bleibt bei ihm, damit er nicht schlafwandelt.

Am Ende werten Vincent und Happy im Cascade die Karte und die Überwachungsbänder aus. Die Karte trägt die Fingerabdrücke von Vince und Ben; Veil teilt das Log: Zuletzt von Emily benutzt, davor im Besitz von Antonio Genovese, dem Vater von Luigi — vor dem Massaker im Cascade. Auf den Bändern: Ben kommt durch den Personaleingang, fährt ins 5. Obergeschoss und geht in den Gang mit dem Aufzug zum 3. Untergeschoss. Er wirkt zielstrebiger als sonst; Vince fällt ein Schatten über Bens Augen auf. Auf seinem Weg begegnet ihm kein einziger Mensch. Und Happy sieht etwas anderes: Statt Ben den Schatten einer riesigen Frau in altertümlicher Kleidung — jener Gestalt, die ihm seit Palmyra in Visionen und Träumen erscheint. In diesem Moment steht neben ihm Sgt. Miller: „Die haben wir doch auch schon mal gesehen."

Neue Seite

Und so kehren sie zurück nach Palmyra. Eine Black Op auf syrischem Gebiet: Ben und Happys Einheit, geleitet von Sgt. Miller, welcher den Einsatzbefehl gibt: Eine IS-Splittergruppe hält zivile Geiseln in einer alten Tempelruine. Happy dringt durch den Vordereingang in das Gebäude ein, Miller gleichzeitig von hinten, Ben bleibt als Sanitäter in der Nachhut. Flashgranaten fliegen, dann stürmen sie: Qualm, Weihrauch, Hitze, Lärm. Auf dem Boden ein Beschwörungskreis aus Blut und Gedärmen, Chiffren und Symbole an den Wänden, ausgeweidete Opfer um den Kreis. IS-Anhänger, die trotz schwerer Schussverletzungen singen. Ein „Priester" in rot-schwarzer Robe mit okkulten Symbolen. Und in der Mitte des Kreises: eine riesenhafte Frauengestalt in antiker Kleidung, ein Gürtel mit Kinder-Schrumpfköpfen um die Hüfte — sie tanzt. Der Priester versteckt sich hinter einer Leiche; Happy erschießt ihn und läuft auf ihn zu — und zerstört damit den Kreis. Die Frauengestalt verschwindet. Im Chaos sieht Happy einen Kämpfer auf sich zulaufen und schießt: Es ist Sgt. Miller. Ben hilft schnell, aber Miller stirbt noch am Einsatzort.

Damit schließt sich der Kreis: Happy weiß jetzt, wen er in Palmyra erschoss — und dass es sein Schuss war, der das Ritual unterbrach, das Ben für immer verändert hat.